posthuman gender studies research group | arbeitsgruppe posthumane geschlechterstudien

Aktuelles

We proudly present the Special Collection „Posthuman Gender Theory“ in the peer-reviewed, open-access journal GENEALOGY+CRITIQUE:

Open Access: https://www.genealogy-critique.net/collections/837/

This collection, edited by Anna Babka, Hildegard Kernmayer, Julia Lingl, and Marietta Schmutz, deals with current positions and developments within the frame of what can be called Posthuman Gender Theory. Together with Gender Studies, Queer Studies, or Postcolonial Studies, Critical Posthumanism takes the various axes of identity and difference into account and states the entanglement and mutual influence of varied structures of difference and inequality or privilege with the aim of generating possible emancipatory strategies. Consequently, amongst a wide range of different approaches that counteract modern „humanist“ assumptions, the deconstruction of traditional oppositions like human/animal, organism/machine, nature/culture proves to be an important epistemic perspective of critiquing power for critical feminist scholarship. However, in Critical Posthumanism the active capacity for action of (human and non-human) matter is posited next to the power of discourse. Therefore, Critical Posthumanism not only puts into question „humanist“ models of knowledge and progress—like human enhancement, visions of artificial superintelligence, or patriarchal strategies of subjection within traditional-binary discourse—it rather breaks with the spatial, ontological, and epistemological distinction that sets humans apart. The contributions to this collection ask—often along theory-based readings of literary texts, comics or, other cultural phenomena—how the category of gender can be negotiated under these „posthumanist“ conditions.

The collection „Posthuman Gender Theory“ appears in cooperation with Arbeitskreis Kulturanalyse (aka).

about

Die feministische Theorietradition der zweiten Frauenbewegung der 60er- und 70er-Jahre mit ihrer tendenziell binär-hierarchischen Konzeption von Geschlecht problematisierte zum einen den konkreten Ausschluss von Frauen aus der Sphäre der Öffentlichkeit, zum anderen machte sie den symbolischen Ausschluss einer ‚weiblichen Alterität‘ in der patriarchalen Gesellschaftsordnung zum Thema. Diese Konzeption spiegelt(e) sich mitunter im politischen Bestreben, weibliche Agentinnen in Kunst und Gesellschaft als Repräsentantinnen von (Handlungs-)Macht aufzufinden bzw. diese mit (Handlungs-)Macht auszustatten. An der Wende vom 20. zum 21. Jahrhundert wurde die binäre Konzeption von Geschlecht von mehreren kultur- und gendertheoretischen Positionen verabschiedet: Der feministische Dekonstruktivismus und die aus ihm resultierenden Postcolonial Studies, die jegliche Subjektpositionen aufzulösen suchen, begreifen selbst das biologische Geschlecht als spracherzeugte Konstruktion, die in performativen Akten ständig neu hervorgebracht wird (Butler). Für den Neomaterialismus hingegen erweisen sich solche Diskurstheorien nunmehr als unzureichend, um das Zusammenspiel sinnhaft-symbolischer Prozesse und materieller Ordnungen zu erklären. Angesichts von global-wirtschaftlichen Prozessen, technologischer Innovation und digitaler Vernetzung im Informations- und Kommunikationszeitalter wird das Konzept eines posthumanen Subjekts (Braidotti) vorgeschlagen, das mit anderen Subjekten (menschlichen und nichtmenschlichen Akteur*innen) – Menschen, Tieren, Dingen – in enthierarchisierten Netzwerken intraagiert (Haraway, Latour, Barad). Posthumanistische Theorien stellen im Allgemeinen nicht nur die Stabilität des individuierten, liberalen Ichs in Frage, sondern lenken die Aufmerksamkeit auch auf Materialisierungsweisen des späten Kapitalismus wie etwa den Klimawandel oder die Digitalisierung. Im Projekt wird die Frage gestellt, wie die Kategorie Geschlecht unter ‚posthumanistischen‘ Bedingungen neu verhandelt wird. Gegenstand der Untersuchung sind dabei:

  1. der gendertheoretische Diskurs selbst: So sollen die (vermeintlich) konkurrierenden Theoriemodelle des Dekonstruktivismus bzw. der Postcolonial Studies auf der einen und die Zugänge des New Materialism auf der anderen Seite einer Revision unterzogen werden und ein analytisches Instrumentarium entwickelt werden, das geeignet ist, ‚Geschlecht‘ im Zusammenspiel von sinnhaft-symbolischen Prozessen und materiellen Ordnungen zu erfassen;

  2. jene Repräsentationen von Geschlecht, die unter Bedingungen des Posthumanismus in literarisch-künstlerischen und (alltags-)kulturellen Hervorbringungen entstehen. Dabei wird gerade Kunst als eine Erkenntnisform begriffen, die wissenschaftliche oder alltägliche Erkenntnis überbietet.

team

Assoz. Prof.in Mag.a Dr.in
Anna Babka

Mag.a Jasmin Doubek

Assoz. Prof.in Mag.a. Dr.in   Hildegard Kernmayer

Mag.a Julia Lingl

Marietta Schmutz, MA

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