Loh, Janina: Trans- und Posthumanismus [ger, kommentiert MS]

Loh, Janina. Trans- und Posthumanismus zur Einführung. Zur Einführung. Hamburg: Junius, 2018.

Kommentiert von Marietta Schmutz

Janina Lohs Einführung in den Trans- und Posthumanismus zeichnet Herkunft und Ziele zweier bzw. dreier heterogener Strömungen des 20. Jahrhunderts nach, die Diskurse aus Anthropologie und (Technik-)Philosophie, Neurowissenschaft, KI-Forschung und Informatik, sowie Sozial- und Kulturwissenschaften vereinen. Diesen Denkrichtungen liegt die Frage zugrunde, wie die Stellung des Menschen angesichts seiner technologischen Entwicklungen zu bewerten sei, die ihn womöglich irgendwann einholen (Vision: Übernahme der Superspezies) oder zumindest ungeahnte Machtpotenziale entfalten. (10f) 

Innerhalb des Posthumanismus, erfährt der*die Leser*in, hat sich ein Bruch zwischen technologischem Posthumanismus (tPH) und kritischem Posthumanismus (kPH) vollzogen. (135) Mit eher distanzierter Haltung beschreibt Loh, die sich im kPH verortet, das transhumanistische Denken (TH) und den tPH, denen fehlende Selbstreflexion diagnostiziert wird: (97) Dem technikeuphorischen TH geht es nicht um Überwindung, sondern um die Veränderung und unkritische Optimierung des Menschen hinsichtlich seiner allgemeinen und genetischen Fähigkeiten oder seiner Lebensdauer – zusammengefasst unter dem Begriff „human enhancement“. (50) Der tPH geht einen Schritt weiter und verschreibt sich dem Ziel der ‚Überwindung‘ des Menschen. Sofern die Ablösung der gesamten menschlichen Spezies durch eine „artifizielle[] Alterität“ (12) angestrebt wird, gilt Technik als wünschenswertes Endstadium der Zivilisation. Im kritischen Posthumanismus vollzieht sich diese Ablösung anders und auf theoretischer Ebene. Das humanistische Subjekt, das sich mittels kategorialer Auslagerung von Alteritäten als Mensch definiert (hat), soll radikal in Frage gestellt und damit entmachtet werden. Im Hinblick auf die Dekonstruktion der in dieser Auslagerung hervortretenden Dichotomien – z. B. Mann/Frau, Kultur/Natur, Subjekt/Objekt, Mensch/Maschine, Mensch/Tier – ließe sich das Vorhaben des kPH laut Loh auch als „Überwindung der philosophischen Anthropologie als Disziplin“ (149f) verstehen.

Den Schwierigkeiten bei der Zusammenfassung des kPH weicht Loh nicht aus, indem sie etwa auf unterschiedliche Anknüpfungspunkte kritischer Posthumanist*innen verweist. Während Denker*innen wie Rosi Braidotti, Karen Barad, Cary Wolfe oder Neil Badmington ihre Ansätze aus der Auseinandersetzung mit oder Kritik an Poststrukturalismus, Postmoderne oder Feminismus entwickeln, (132f) orientieren sich Nancy Hayles, Patricia MacCormack, Francesca Ferrando oder Davod Roden an den modernen Technikwissenschaften und deren positiven wie negativen Konsequenzen. (135) Als gemeinsames Anliegen kritischer Posthumanist*innen kann jedoch, neben der „fundamentale[n] Infragestellung bestimmter Momente des westlichen Denkens“ (130), die Kritik an der Körperfeindlichkeit humanistischer, transhumanistischer und technologisch-posthumanistischer Ansätze gelten, die sich schon bei Hayles im Entwurf einer „verkörperte[n] und dennoch technikaffinen Utopie“ (135) oder später bei Rosi Braidotti in der Formulierung eines „verkörperten Materialismus“ (151) niederschlägt.

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